Sonntag, 12. Mai 2013

Es neigt sich zum Ende



Tag 1 bei Codelco

Heute war der große Tag. Es ging morgens früh mit dem Bus von Calama nach Chuquicamata. Dort befuhren wir zuerst die Geisterstadt „Plaza“. Als erstes bekamen wir eine Sicherheitsunterweisung und Sicherheitskleidung wie Helm, Sicherheitsschuhe, Staubmasken, Gehörschutz und Schutzbrillen für die Befahrung im Tagebau. Doch warum Geisterstadt? Chuquicamata ist mit einem Tagebau von 5 km Länge, 3 km Breite und 1 km Tiefe die größte Kupfermine der Welt. Für 1 Kg Kupfer fallen 100 Kg Abraum an. Dieser wird rund um den Tagebau verkippt. Auch die kleine Stadt, die eigens von Codelco für seine Mitarbeiter errichtet wurde, steht in der Nähe dieser Abraumhalden. Diese wachsen und wachsen, sodass die Stadt geschlossen wurde. Viele Häuser wurden bereits verschüttet. Viele weitere Gebäude werden noch folgen.


Exkursionstruppe vor dem Explorationsstollen
Größenvergleich mit einem Steinbruchmonster
Nachdem wir mit der Sicherheitskleidung ausgerüstet waren, gab es eine Sicherheitsunterweisung und einige Informationen zum aktuellen Tagebau. Codelco hat 16.000 Mitarbeiter. Davon Arbeiten allein 6000 im und am Tagebau. Im Jahr werden zwischen 80 und 100 mio. t Kupfererz abgebaut. Chuquicamata wurde 1905 eröffnet. Codelco hat seitdem in Chuquicamata bereits 1/3 der Lagerstätte abgebaut und in 6 Jahren wird die Arbeit im Tagebau beendet. Die anderen 2/3 befinden sich in zu großer Tiefe, sodass Codelco seit einem Jahr Explorationsstollen am Grund des Tagebaus in die Erde treibt. Später sollen dann unter Tage 45.000.000 t Kupfererz abgebaut werden. Zurzeit arbeiten an diesem Projekt 120 Mitarbeiter. Später sollen es über 2000 Mitarbeiter werden. In dieses Projekt werden insgesamt 3,8 Milliarden US-Dollar investiert.
Wir stiegen vor dem Tagebau in einen kleineren Bus um. Mit diesem fuhren wir in den Tagebau an den riesigen SLKW´s und Seilbaggern vorbei. Sicherheit wird bei Codelco groß geschrieben. Wer sich nicht anschnallte merkte schnell auf den huckligen Straßen, dass man bei einer Bodenwelle bis zu 30 cm in die Luft flog. Mitten im Tagebau befand sich dann der Eingang in den Tiefbau. Von hier aus sollte es nochmals tief in die Erde gehen. An der tiefsten Stelle befanden wir uns 100 m unter der tiefsten Sohle. Dort gab es noch nicht so viel zu sehen. In einigen Jahren wird hier die Hauptproduktion stattfinden. Hier unten war das Atmen schwer und es war ziemlich warm. Wir gingen in einen Notfallsicherheitsraum. Wie er die Bergleute im Ernstfall schützen würde, wurde uns ausführlich erklärt. Außerdem wurden uns die Pläne für den zukünftigen Tiefbau gezeigt und erklärt. Grob gesagt wird die Lagerstätte in Abbaublöcke von mehreren Tausend Tonnen eingeteilt und per Bohren und Sprengen gelöst. Das Kupfererz wird dann bereits unter Tage gebrochen und mit Förderbändern zu Tage getragen. Anschießend gelangt das Kupfererz dann auf das Lager und dann in die Aufbereitung, die wir am folgenden Tag noch sehen werden. Nachdem wir wieder an der Oberfläche ankamen ging es in die Firmenkantine zum Mittagessen. Es gab eine gute Auswahl. Ich entschied mich für Hühnchen, Reis und Eiscreme als Dessert. Nachdem alle satt waren ging es in die Werkstatt für die SchwerLastKraftWagen. Codelco besitzt an diesem Standort 2 Tagebaue. Allein für den größeren stehen 95 SLKW zur Verfügung. Diese haben eine Zuladung zwischen 330 bis 400 t. 77 Trucks fahren das Kupfererz oder Abraum. Der Rest steht in der Werkstatt oder in Reserve. Alle 250 Stunden wird ein SLKW einer Inspektion unterzogen. Ein SLKW kostet 5 mio Dollar. Sein Tankvolumen beträgt 5000 Liter. Er verbraucht in der Stunde 400 Liter Diesel und einer von 6 Reifen kostet 80.000 Dollar. Dieser ist spätestens nach einer Dienstzeit von 5 bis 6 Monaten abgefahren und muss gewechselt werden. Ein SLKW wird mit einem dieselelektrischen Antrieb angetrieben. Ein Dieselmotor treibt ein Stromaggregat an, welches die 4 Elektromotoren in den Radnaben versorgt. Ein SLKW-Fahrer verdient verdammt gut. So kriegt er 5000 Euro Brutto im Monat. Als wir die Werkstatt besichtigten hatten wir Glück. Ein SLKW hatte ein Motorproblem und wurde von einem anderen SLKW mit einem Schleppseil in die Werkstatt geschleppt. Eine unglaublich große Maschine mit einer Leistung von 3200 PS.
Der Tag neigte sich dem Ende zu. Wir sahen uns noch die SLKW-Steuerstation an. Hier werden die SLKW mit GPS erfasst und können per Funk mit ihren Aufgaben versorgt werden. Anschließend ging es mit dem Bus von Codelco zurück zum Hotel.




Tag 2 bei Codelco

Die Sicherheitssachen haben wir über Nacht behalten und stiegen mit der Ausrüstung wieder in den Bus von Codelco. Heute ging es speziell um die Aufbereitung des Kupfererzes. Das erste Ziel war das Gebäude vor der Aufbereitung. Dort empfing uns der Leiter der Aufbereitung. Natürlich gab es speziell für diesen Bereich auch wieder eine Sicherheitsunterweisung. Nachdem diese endlich rum war gings los  in einen wichtigen Aufbreitungsschritt, die Flotation. Zuvor noch der Abbau. Die SLKW bringen das Kupfererz von der Ladestelle in den Vorbrecher. Dort wird es vorzerkleinert. Danach kommt es in den Bereich wo wir uns befanden. Hier stehen riesige Kugelmühlen. Das Material gelangt in die Mühlen in denen sich auch Stahlkugeln befinden. Diese pulverisieren das Kupfererz. Das Pulver gelangt dann in ein Becken mit Chemikalien. Im Flotationsverfahren wird das Kupfer und andere Bestandteile aus dem Gestein gelöst, sodass es schaumig an der Oberfläche schwimmt. Über eine Kante wird nur das oben aufschwimmende Gemisch abgeschöpft. Anschließend wird das Gemisch entwässert und in großen Konvertern geschmolzen. Danach wird das flüssige Metall bestehend aus Kupfer, Aluminium, Gold u.s.w. in eine umgängliche Form gegossen und abgekühlt. Nachdem die Platten dann erkalkten sind kommen sie in die nächste Aufbereitungshalle. In der Elektrolyse werden die Platten in ein Becken mit einer Lösung und zwei weiteren Platten (Kathode + Anode) eingelagert. Kathode und Anode stehen unter einem Gleichstrom von 10 bis 12 V. Die Kupferatome wandern zur Kathode und die anderen metallischen Atome zur Anode. So wird die Kathode über mehrere Tage mit Kupfer angereichert. Nach einer ausreichenden Anreicherung wird die Kathode aus dem Becken entnommen und das Kupfer von der Kathode geschält. Fertig ist die Kupferplatte, die in dieser Form weiterverkauft wird. All diese Schritte wurden uns gezeigt und wirklich toll erklärt. Zum Schluss unserer Codelco-Befahrung gab es noch ein Zuckerstück. Von der im Tagebau befindlichen Besucherplattform durften wir eine über 150.000 t Sprengung beobachten. Ein gelungener Abschluss. Die Sicherheitskleidung wurde zurück gegeben und der Bus von Codelco brachte uns zum Hotel zurück.
Riesige Mühlen, die das Erz pulverisieren

Mittwoch 8.05.13 Lithium

Heute stand mal wieder neben einer weiten Strecke viel auf dem Programm. Früh morgens wurden die Autos getankt und auf die lange Fahrt nach San Pedro vorbereitet. San Pedro eine Oase in mitten der Atacama-Wüste. Dort besichtigten wir die Stadt, die eine schöne alte Kirche hat. Nach der Besichtigung ging es weiter in Richtung Peine. Auf dem Weg dorthin besuchten wir einen Salar. Einen Salzsee an dem Flamingos leben. Diese fressen dort kleine rosa Krebse von denen sie auch ihre typische Farbe erhalten. Leider passte die Zeit wohl nicht. Wir sahen nur eine Hand voll Flamingos. Zu dem Zeitpunkt war es Mittag und die Sonne brannte uns auf den Buckel. Schnell zurück in die Autos und weiter zur Lithiummiene von Rockwood. Dort wurden wir herzlich empfangen. Hier wurde uns die Herstellung von Lithium erklärt. Lithium brauchen wir z.B. für unsere Akkus. Es ist ein seltener Rohstoff und kommt in kleinen Konzentrationen in manchen Salzlagerstätten vor. In Südamerika sind die größten Lithiumvorkommen der Welt vorhanden. Hier bei Rockwood wird eine natürliche Salzlösung aus der Erde in 16 künstliche Becken gepumpt. Diese sind flächenmäßig riesig, jedoch nur zwei Meter tief. In 16 Monaten wird durch die hohe Sonneneinstahlung das Wasser verdampft und das Salz ausgefällt. Aus dem festen Salz kann das Lithium getrennt werden. Die gelbe Flüssigkeit, die 6 % Lithium enthält, wird per LKW in eine Aufbereitung nach Antofagasta transportiert und dort weiter aufbereitet. Diesen Schritt haben wir somit auch nicht mehr sehen können. Auch das Salz wird verkauft. Bei Rockwood hielten wir uns auch nicht mehr lange auf. Wir hatten natürlich auch einen langen Rückweg zum Hotel. Somit verabschiedeten wir uns schnell und traten die Heimreise an.
Sicht auf ein Becken in der Lithiumpproduktion

9.05.13 Reisetag

Ein Teil der verlassenen Salpeterfabrik
Sachen gepackt und ab ins Auto für 400 km weiter in den warmen Norden. Die Reise nach Iquique, einer Toristenstadt, stand an. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir ein Museum. Es war die alte Salpeter-Miene „Humberstone“. Dort lebten bis vor ca. 50 Jahren die Arbeiter der Miene in einer kleinen Stadt direkt vor der Herstellungsfabrik. Diese Stadt ist heute eine Geisterstadt und erinnert an einen Westernfilm, angrenzend stand die Fabrik. Sie wurde damals sich selbst überlassen und verfiel daher stark. Lockere verrostete Bleche der Fabrikgebäude wankten bedrohlich im Wind. Der Tod aus Final Destination hätte hier ein leichtes Spiel. Wir waren sehr vorsichtig. In Deutschland wäre ein Museum in dieser Form niemals genehmigt worden. Nachts könnte man hier einen tollen Horrorfilm drehen. Da alles auf Spanisch war und wir keinen Englischsprachigen Führer hatten, bekamen wir keine Informationen und die Begeisterung dieses Weltkulturerbes hielt sich daher in Grenzen. Nach einer Stunde Besichtigung führten wir die Reise nach Iquique fort. Abends bezogen wir dann unser Hotel Radisson mit Pool und Meerblick.


Letzter Befahrungstag ins Salz

Wieder ein frühes Frühstück. Um 8 Uhr starteten wir nach SPL einem Tochterunternehmen von dem deutschen Salzhersteller K + S. SPL beschäftigt sich mit dem Abbau von Steinsalz im Tagebau. Der Salzabbau befand sich in den Bergen. Wie bei den Salaren wurde das Salz vor Millionen von Jahen aus den Bergen gewaschen und in einer Art abflussloser Wanne abgelagert. Das Wasser verdampfte und das Salz verdichtete sich zu Steinsalz. Diese Wanne war verdammt groß. Stolz teilte man uns mit, dass man Reserven für bis zu 5000 Jahre weiteren Abbau hätte. Das findet man mit Explorationsbohrungen heraus. Wie wir sehen konnten war ein Bohrtrupp damit beschäftigt, Kernbohrungen bis zu 70 m abzuteufen. Das Salz wird per Bohren und Sprengen in einer Tiefe von bis zu 70 m abgebaut. Einer Sprengung mit einem Haufwerk von 70.000 t durften wir beiwohnen. Dabei wird pro Tonne Material 190 g Sprengstoff verwendet. Anschließend sahen wir uns die Verladeanlagen an. Das Salz in 3 verschiedenen Qualitäten wird mit LKW ins Tal gefahren. Dort befinden sich die Verwaltung und die Verladestation auf Schiffe und andere LKW. Freitags schließt die Verladung früher und daher verpassten wir diese Abteilung. Spontan wurden wir aber mit dem Schlepper auf eine kleine Schiffstour eingeladen. Dabei konnten wir die Schiffsverladeeinheiten aus der Nähe betrachten und sind zu einer Insel gefahren auf der es nur so von Robben, Pelikanen und anderen Vogelarten wimmelte. Wir genossen die Schiffsfahrt. Nach der Schiffsfahrt gab es noch ein Abschlussgespräch mit unserem Führenden im Betrieb und dann verabschiedeten wir uns.


Verschnaufen
Es ist Samstag, der letzte Tag vor der Abreise nach Deutschland. Heute stand uns der Tag zur vollen Verfügung. Da haben wir trotz der Müdigkeit nicht lange geschlafen, um den Tag sinnvoll zu nutzen. Nach dem üppigen Frühstück ging ein Teil der Gruppe an den Strand zum Angeln und Schwimmen. Die Anderen besuchten die Mall in der Innenstadt von Iquique. Entäuschend. Viele von uns wollten ihren Lieben noch etwas Schönes mitbringen. Was wir vorfanden waren Elektroläden, Spielzeugläden, Spirituosenläden und Pafümerien. Kaum einer fand etwas passendes. So verließen wir die Mall und fuhren zur Strandpromenade. Dort konnten wir parken und ein bisschen Zeit am Strand verbringen. Anschließend trafen sich so gut wie alle im Hotel am Pool und kühlten sich ab. Am Abend gingen wir alle schön zusammen essen und sprachen dabei über unsere Eindrücke und Erfahrungen, die wir in den letzten zwei Wochen gesammelt haben. Morgen geht es gegen 14 Uhr von Iquique etwa 2 Stunden nach Santiago de Chile, von dort aus fliegen wir zwischen 12 und 14 Stunden nach Madrid und von dort nochmals 2 ½ Stunden nach Düsseldorf. Es wird also eine lange, anstrengende Reise nach Hause. Ein bisschen bin ich auch froh nach Hause zu kommen.


Hab noch schnell die beiden Sprengungen von Codelco


http://www.youtube.com/watch?v=A4741t8uAw0&feature=youtu.be

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Dienstag, 7. Mai 2013

Viel zu erzählen



 Hallo,

wie versprochen melde ich mich mit neuen Erlebnissen sobald ich Internet habe. Es gab schöne Ereignisse und weniger schöne Ereignisse. Aber lest es selbst.

Tag 5 Kupfertagebau

Früh am Morgen (6.45) starteten wir mit den Autos nach Candelaria. Dort befindet sich der Kupfererz-Tagebau der Firmengruppe Freeport-McMoRan Copper & Gold. Wir waren alle heiß auf den großen Tagebau, der alle ähnlichen Betriebe in Deutschland in den Schatten stellt. Doch zunächst gab es einen Vortrag von einem Geologen über einige Eigenschaften der Lagerstätte, der Geschichte des Betriebes uvm. Dann ging es endlich mit dem Bus zu einer Aussichtsplattform, die sich auf der Längsseite des Steinbruchs befindet. Wie auf den Bildern zu sehen, ist es ein riesiger Tagebau. Seine Ausmaße sind 2,5 km Länge, 1,5 km Breite und einer Tiefe zwischen 300 – 500 m. Hier arbeiten 1200 bei Freeport. Je nach Nachfrage von Kupfererz werden weitere 500 – 2000 Mitarbeiter von Fremdfirmen bestellt. Das wertvolle Erz wird mit mehreren Seilbaggern auf 56 Schwerlastkraftwagen (SLKW) geladen. Diese quälen sich mit einem Gesamtgewicht zwischen 300 bis 400 Tonnen mehrere Rampen hoch. Leider fuhren wir nicht in den Tagebau. Es schien, dass der Geologe nicht die Berechtigung dafür hatte. Auch die Aufbereitung durften wir nicht sehen. Manche Betriebe mögen eben keine Fremden in ihren Betriebsanlagen - Schade. Es wurden uns lediglich Bohrkerne der letzten Exploration gezeigt. Unser führender Geologe bekam ein kleines Geschenk für seine aufgebrachte Zeit und seine Mühen, uns alles zu erklären.
Open-Pit-Mine [Leider war es wie auf dem Bild zu sehen sehr staubig]

Aufbruch. Wir hatten noch viel Zeit. Gegen 12 Uhr hielten wir für ein kleines Mittagessen. Anschließend machten wir uns auf den Weg nach San Jose nordwestlich von Copiapo. Dort besuchten wir die inzwischen stillgelegte Kupfermine. Warum ist sie stillgelegt? Manche erinnern sich sicher an das Bergwerksunglück im Jahr 2010. Dort wurden 33 Bergleute in 700 m Tiefe und über 700.000 t Gestein in Folge einer Spannungsumlagerung 69 Tage eingesperrt.  Der Stollen der Mine wurde verschüttet. Zunächst musste festgestellt werden, wo sich die Verunglückten befanden. Dies war zu diesem Zeitpunkt etwa 5 km vom Zugang der Mine entfernt. Nachdem sie mit mehreren Bohrungen gefunden wurden, wurde zuerst die Versorgung gesichert. Anschließend wurde für die Rettungskapsel ein Bohrloch mit dem Durchmesser von 66 cm gebohrt. Alle 33 Bergleute wurden zwar etwas mager aber lebendig mit dieser Kapsel gerettet. Hier ein Link für Interessierte: http://de.wikipedia.org/wiki/Grubenungl%C3%BCck_von_San_Jos%C3%A9

Naja, zurück zu uns. Bei unserem Besuch dieses Ortes waren natürlich nicht mehr viele Überbleibsel der Rettungsaktion übrig. Lediglich die Suchbohrungen, Versorgungsbohrungen und die Hauptbohrung, durch die die Bergleute gerettet wurden, waren noch vorhanden. Der obere Teil der Hauptbohrung war jedoch mit einem dicken Betonblock abgedeckt. Mit diesem Ort verbinden die Geretteten und Angehörigen viele Emotionen. Gerüchte sagen, dass in naher Zukunft der Betrieb wieder aufgenommen werden soll. Nach der Rückkehr zum Hotel gingen wir wie jeden Abend essen.

Tag 6 Kleinbergbau

Es dreht sich an diesem Tag mal wieder alles um Cobre = Kupfer. Diesmal besuchten wir ein Familienunternehmen im Kleinbergbau. In Chile gibt es unzählig viele Betriebe dieser Art. Dieser wird bereits in der dritten Generation geführt. Im Monat werden hier lediglich 2000 t Kupfererz abgebaut und verkauft. Aber allein der Weg dorthin hat sich durch seine malerische Landschaft gelohnt. Über Schotterpisten direkt neben steilen Abhängen ging es zur Miene. Hier wird das Kupfererz zum Teil im Tagebau und zum Teil in Stollen abgebaut. Den neuen Explorationsstollen haben wir betreten. Dabei beunruhigte so manche das hangende Gestein über unseren Köpfen, das bedrohliche Risse vorwies. Durch den Explorationsschacht wurde herausgefunden, dass dieser Standort noch in großer Tiefe weitere reiche Kupfererzvorkommen beinhaltet und die Miene somit für viele Jahre weiterhin gesichert ist. Nach dem Verlassen des Schachtes wurde für uns eine kleine Sprengung mit TNT vorbereitet. Die Detonation sollte nach 10 Minuten erfolgen. Sie kam früher und niemand hat ein Foto gemacht, schade. Zum Schluss gab es ein paar Snacks und Getränke in der Tagesunterkunft der Mitarbeiter. Wir deckten uns mit tollen Mineralien ein und verließen die Miene. An diesem Tag hatten wir noch genug Zeit und fuhren mit zwei von den Mietwagen zu einem Ort an dem es Saphire geben sollte. Nach einer langen Autofahrt auf teilweise sehr sandigen Straßen ging es irgendwann nicht mehr weiter. Wir mussten zu Fuß quer durch die Wüste marschieren um die Saphire zu finden. Dann ging der Tag zu Ende und wir packten unsere Taschen für den folgenden Abreisetag. 

Reichhaltiges Gestein mit oxidiertem Kupfererz (grün)


Tag 7 Salzseen

Es ist Freitag, der 03.05.2013. Mit unserem Gepäck verließen wir das Hotel in Copiapo. Eine lange Fahrt zu den Salaren stand an. Das sind Salzseen auf Höhen zwischen 2000 und 4000 m. Dieser Tag sollte für uns alle noch sehr anstrengend werden. Wir fuhren in Richtung der argentinischen Grenze. Es ging ständig den Berg hinauf. Auf 3.550 m Höhe erreichten wir eine alte Schwefelmiene. Die Landschaft war dadurch teilweise durch einige gelbfarbende Gesteine geprägt. Bereits dort merkten viele von uns, dass die Luft dünner und kälter wurde. Einen Hügel hoch zu klettern, wurde echt anstrengend. Dort sahen wir auch die Guanacos, eine Art Berglamas. Es ging weiter hinauf. Wir sahen das „Salar de Maricunga“  einen zurzeit ausgetrockneten Salzsee auf 3.726 m Höhe. Salzhaltiges Wasser fließt von den Bergen in eine Senke. Die Sonneneinstrahlung ist so intensiv, dass das Wasser verdunstet und das Salz zurück bleibt. Dieser Prozess wiederholt sich unzählige Male, sodass an manchen Stellen eine Salzlagerstätten-Mächtigkeit von 2 km vorhanden ist. Das Salz ist hier in fester Konsistenz vorhanden. Außer Salz und anderen Mineralen wurde durch Explorationsbohrungen festgestellt, dass dort auch Anteile von Lithium vorhanden sind. Wer es nicht kennt: Es ist sehr selten und wird z.B. für die Akkus unserer mobilen Geräte benötigt. Weiter hinauf ging es. Wir fuhren bis zu 4200 m hoch. Dort gelangten wir zu einem Bachlauf mit einem sehr schönen Wasserfall. Doch wir waren noch nicht am Ende. Es ging weiter über sehr schlechte Schotterstraßen mit einigen Schlaglöchern. Dabei sahen wir den „Ojos del Salado“. Er ist mit 6.893 m der höchste Vulkan der Welt. Anschließend gelangten wir wieder zu seinem Salzsee. Anders als bei dem letzten Salzsee ist der Wasserzulauf höher als die Verdunstung, sodass es diesmal ein See mit einem sehr hohen Salzanteil war. Hier war es verdammt windig und kalt. Viele flüchteten daher trotz dicker Kleidung zurück in die Autos. Die lange Rückfahrt stand an. Einige klagten aufgrund der dünnen Luft über leichten Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen. Die Kopfschmerztabletten wurden daher wie Smarties verteilt und danach schliefen einige ein wenig. Es ging aber nicht zurück nach Copiapo. Nun ging es weiter nach Norden nach El Salvador. Auf dem Weg dorthin ging bei einem Kia-Van ein Reifen kaputt. Kein Problem, wir hatten einen Ersatzreifen dabei. Schnell den neuen Reifen drauf und weiter. Später ging ebenfalls ein Reifen bei dem anderen Van kaputt. Einen weiteren Ersatzreifen hatten wir nicht. Das Auto und seine Insassen mussten also in der Wüste zurück bleiben, bis die anderen Autos eine Werkstatt in El Salvador gefunden hatten. Doch die Werkstatt war zu. Also mussten wir den Reifen von dem einen Van demontieren und mit zum liegengeblieben Wagen nehmen. Gegen 22:30 Uhr in der Nacht erreichte auch das letzte Auto das Hotel. Alle waren fix und fertig und gingen direkt schlafen, da am nächsten Tag schon wieder früh Programm anstand.
Salzsee in den Bergen
Ein kleiner Wasserfall

Tag 8 Das Observatorium
 
Nur eine Nacht verbrachten wir in El Salvador. Heute teilte sich die Reisetruppe in zwei Gruppen auf. Die eine Gruppe wartete auf einen neuen Reifen für den Van. Die andere Truppe machte sich auf den Weg nach Paranal. Dort in der Atacama-Wüste im Norden Chiles, auf dem Berg Cerro Parana, steht das astronomische Observatorium von „ESO“. Der Kern ist das Very Large Telescope (VLT). Die Atmosphäre über dem Gipfel zeichnet sich durch trockene und außergewöhnlich ruhige Luftströmung aus, was den Berg zu einem sehr attraktiven Standort für ein astronomisches Observatorium macht. Aber erst mal zurück zur zweiten Gruppe. Wir kamen dort gegen 13 Uhr an und mussten eine Stunde auf unsere Führung beim Pförtner warten. Zunächst ging es in einen Präsentationsraum in dem wir einen englischen Einführungsfilm sahen. Anschließend ging es mit den eigenen Autos auf das Plateau auf dem die vier Hauptteleskope und weitere fahrbare kleine Teleskope stehen. Eines dieser Teleskope hieß „Antu“,  welches wir uns von innen ansehen konnten, da die Teleskope nur nachts in Aktion sind. Innen drin war es recht kalt. Dort fanden wir das Herz des Teleskops vor. Der gesamte Teleskopturm wiegt rund 540 t. Das Teleskop selbst wiegt 52 t und arbeitet mit einem 18 cm dicken Konkave-Spiegel. Dieser reflektiert das optische Bild durch seine Form auf einen kleinen Spiegel. Dieser hat eine Konvex-Form und leitet das Bild weiter zu anderen Spiegeln. Später wird das Bild in ein elektrisches Signal umgewandelt. Es wurde noch vieles weitere erklärt, aber dieser Text würde hier kein Ende finden. Daher reicht das erst mal. Wir verließen das Teleskop und gingen ins Control Center. Dort überwacht jede einzelne Abteilung ein anderes Teleskop, die alle unterschiedliche Objekte oder Galaxien untersuchen. Sie könnten theoretisch auch zusammen als ein großes Teleskop operieren. Als wir fragten was das Observatorium im Jahr kostet bekamen wir eine etwas andere Antwort. Die Arbeit mit den Teleskopen kostet pro Sekunde 1 Euro…… Zum Schluss sahen wir uns das Hotel der ESO-Forscher an. Wer den Film „Ein Quantum Trost“ gesehen hat  wird es kennen. Dort wurde nämlich die Hotelszene gedreht. Hier nochmal der Link zur Erinnerung: https://www.youtube.com/watch?v=Njq2RSqBGps. Nach der Besichtigung fuhren wir nach Antofagasta, das direkt am Pazifik liegt. Dort wartete ein schönes Hotelinnexpress auf uns. Im neunten Stock hatte man einen tollen Ausblick auf die Stadt und die Zimmer waren super. Abends gingen wir noch beim Peruaner essen. Der folgende Tag sollte noch einige Überraschungen bereit halten.
Ansicht auf die vier Hauptteleskoptürme

9 Tag Krankenhausaufenthalt mit Happy End

Lange und gut ausgeschlafen begab ich mich wie die meisten von uns zum Frühstücksbüffet. Bis auf einer. Er hatte gesundheitliche Probleme bei denen ich hier nicht ins Detail gehen möchte. Eins war klar wir mussten ins Krankenhaus. Da ich ein gutes Englisch kann und ein paar Brocken Spanisch, begleitete ich ihn in die Clinic de Antofagasta. Dort kamen wir in die Ambulanz. Hier verstand man kein Englisch also versuchten wir unser Problem mit Händen und Füßen zu erklären. Nichtmals die Ärzte sprachen Englisch. Anfangs wollten Sie ihm die Mandeln rausnehmen. Zum Glück haben sie dann doch das echte Problem erkannt. Er sollte eine Nacht im Krankenhaus bleiben. Das passte uns gar nicht in den Zeitplan, da wir noch am gleichen Tag nach Calama aufbrechen mussten. Einer von der Gruppe musste bei ihm bleiben. Ich erklärte mich bereit und bezog bereits mein Hotelzimmer.  Kurz darauf erhielt ich die erfreuliche Nachricht per Telefon, dass sich das gesundheitliche Problem von selbst erledigt hatte und wir aufbrechen können. Mir fiel ein Stein vom Herzen und freute mich, dass wir wieder an dem normalen Verlauf der Reise teilnehmen konnten.
Bevor wir Richtung Calama reisten, besuchten wir das Wahrzeichen von Antofagasta, La Portada =  das Portal. Es steht auf massivem Andesit und besteht selbst aus Sandstein. Dieser wurde durch marine Erosion so geformt wie wir La Portada zurzeit sehen. Die fortschreitende Erosion gefährdet das Naturdenkmal. Es ist einsturzgefährdet.


La Portada

Nachdem wir uns satt gesehen haben ging die Reise 180 km weiter nach Calama in unser nächstes Hotel.

Heute waren wir bereits in dem größten Kupfertagebau Chuquicamata von Codelco. Morgen haben wir einen weiteren Aufenthalt und ich fasse beide Tage zusammen.

Freitag, 3. Mai 2013

Kein Internet

Hey,

unsere 5 Tage in Copiapo sind zu Ende. Wir waren mal wieder lange unterwegs. Ich werde wohl wieder mehrere Tage zusammenfassen müssen. Morgen haben wir eine laaaaange Fahrt und ziehen in ein anderes Hotel in El Salvador. Es liegt weiter im Norden. Ich wurde vorgewarnt es wird in diesem Hotel warscheinlich kein Internet geben. Wundert euch also nicht, wenn nichts neues von mir kommt.




Hier noch ein Bild auf dem ein Bohrkern der Kupfermine zu sehen ist. Das Schimmernde im Bohrkern ist Schalkopyrit. Es sind also gute Aussichten für die Mine.





Viele liebe Grüße aus Chile





Donnerstag, 2. Mai 2013

Tag 3 und 4



Hallo fleißige Leser,

ich fasse die letzten beiden Tage etwas zusammen, da mal wieder wenig Zeit war. Das Problem mit den Fotos ist mehr oder weniger behoben. Trotzdem habe ich nicht den vollen Zugriff auf alle Bilder. Gestern war mal wieder ein anstrengender Tag. Nach dem Frühstück sind wir zur Kupfermine „Mina Carola“ gefahren. Dort wird untertage in bis zu 550 m tiefen Schächten das Schalkopyrit abgebaut. In seinem chemischen Aufbau sind diverse Metalle vorhanden. Grade das Kupfer ist sehr interessant. Sein Anteil beträgt an den besten Stellen bis zu 22 %. Das Nebengestein nennt sich Andesit( abgeleitet von den Anden)  Diese Mine fördert täglich mit 15 Dumpern 4000 t zu Tage. Der Abbau wird in zwei 12 Stundenschichten betrieben. Mit dem Bus sind wir in die Mine eingefahren. Über die Hauptstrecke, die 6 x 5 Meter misst, fördern auch die Dumper das wertvolle Metall. Daher wurde es manchmal schon recht eng. Aufgrund des geothermischen Gradienten stieg die Temperatur um drei Grad pro 100 m an. Daher spürten wir auch wie es wärmer wurde je tiefer wir in den Berg einfuhren. Auf der tiefsten Strecke überstieg das Thermometer die 30 °C locker. Lange Hosen und dicke Pullis machten das ganze komplett. Es war echt warm und unsere Kehlen trocken, da die Luft trotz Bewetterung immer schlechter wurde. Allein die Einfahrt von 6 km Länge dauerte 1 ½ Stunden. Insgesamt erstreckt sich das Streckennetz auf über 120 km. Es gibt mehrere Eingänge in die Mine. Auf der anderen Seite der Mine fuhren wir wieder aus. Dort konnten wir Explorationsbohrkerne begutachten, die für die Mine von großer Bedeutung sind. Draußen war ein leichtes Lüftchen bei angenehmen 26 Grad. Es war fast kalt.

Explorationsbohrstelle unter Tage

Nach der Minenbefahrung besichtigten wir auch noch das firmeneigene Museum. Dort werden viele seltene Mineralien und auch ein Modell der Kuperlagerstätte ausgestellt.

Am Abend gingen wir zu Fuß  in die Universität von Atacama. Dort warteten der Präsident, einige Mitarbeiter und die Presse auf unser Erscheinen. Es wurde feierlich ein Kooperationsvertrag zwischen der Universidad de Atacama und der TFH Agricola abgeschlossen. Von nun an können sich die Studenten austauschen und in Zukunft auch ein Gastsemester an der jeweils anderen Hochschule absolvieren bei der sie auch eine wissenschaftliche Arbeit (Bachelor, Master, Dr. -Arbeit).  Nach den Feierlichkeiten gab es Getränke und kleine Snacks. Danach verabschiedeten wir uns.

Am gleichen Abend gegen 23 Uhr Ortszeit bebte die Erde. Ein Erdbeben mit der stärke 4,9 auf der Richterskalar erschütterte die Region. Das Epizentrum lag etwa 100 km südlich von unserem Standort in 40 km Tiefe. Es gab einen heftigen Ruck durchs Hotel. Die Hunde auf der Straße bellten. Das Beben dauerte nicht lange und einige haben es sogar verschlafen. Aber wir sind alle wohl auf.

Unterzeichnung des Vertrags [L. Prof. Dauber der TFH R. Präsident de Universidad de A.]

Am nächsten Tag waren wir wieder an der Universität zu Gast. Auf dem Tagesplan stand ein Vortrag von einem Professor der Universität von Atacama über Allgemeines und die Geologie von Atacama. Hier ein kurzer Überblick.




 Atacama ist ein Gebiet, das sich 400 km von Nord nach Süd und 250 km von Ost nach West innerhalb Chiles erstreckt. Die Fläche beträgt 75,573 km² und entspricht etwa der Größe von Irland. Hier liegen mehrere Gebirgszüge von Nord nach Süd angeordnet. Grund dafür ist die lokale Tektonik. Die Nasca-Platte im Pazifik schiebt sich mit 7-12 cm pro Jahr unter die südamerikanische Platte. Dies nennt man Subduktion. Die subduzierte Nasca-Platte taucht ab und wird in etwa 100 km Tiefe aufgeschmolzen. Das flüssige Gestein steigt als Magma im Landesinneren auf und drückt vorhandene Sedimentschichten nach oben (Gebirgsbildung). Auf der anderen Seite wachsen die Berge durch aktiven Vulkanismus heran. In den Schmelzen befinden sich oft metallische Minerale. So auch das Kupfer für das Chile weltbekannt ist. Wie oben schon beschrieben, befindet sich in dem Gestein Schalkopyrit. Aber ich möchte hier nicht zu sehr ins Detail gehen. 

Ein weiterer Punkt auf dem Tagesplan war ein Vortrag durch unsere begleitenden Dozenten der TFH. Sie stellten Deutschland, Gesteine in Deutschland, Abbauarten und speziell die Technische Fachhochschule Georg Agricola vor. Interessierte Studenten der Universität von Atacama konnten sich diesen Vortrag auf englisch anhören. Auch wir unterstützen unsere Professoren mit unserer Anwesenheit. Ein Problem war, dass die meisten Menschen in Chile kein Englisch können. So gab es immer eine nicht zu vernachlässigende Sprachbarriere.

Anschließend kauften wir noch ein paar Dinge für einen gemeinsames Grillen ein, welcher noch am selben Tag stattfinden sollte. Kurz zuvor wurden wir von ansässigen Studenten eingeladen, am Abend gemeinsam noch eine Diskothek zu besuchen.  Natürlich freuten wir uns über diese Einladung. Dieser gingen wir dann nach dem gemütlichen Grillen nach. Wir besuchten eine tolle und moderne Disko, wie sie in Deutschland nicht besser sein könnte. Natürlich sind die Musik und die Tänze anders als bei uns. Jedoch hat es viel Spaß gemacht und uns wurden häufig neugierige Blicke zugeworfen. Einige von uns wurden sogar von den chilenischen Frauen zum Tanz aufgefordert. Das Interesse an unserem Reisehintergrund war wirklich groß und leider fanden wir kaum ein Ende. So war es kein Wunder, dass einige von uns Partygängern am nächsten Tag verschlafen haben. Grade an diesem Tag mussten wir recht früh raus. Denn heute hatten wir einen Termin in einem Kupfertagebau. Dazu später mehr ... wir gehen jetzt zum Essen.