Sonntag, 12. Mai 2013

Es neigt sich zum Ende



Tag 1 bei Codelco

Heute war der große Tag. Es ging morgens früh mit dem Bus von Calama nach Chuquicamata. Dort befuhren wir zuerst die Geisterstadt „Plaza“. Als erstes bekamen wir eine Sicherheitsunterweisung und Sicherheitskleidung wie Helm, Sicherheitsschuhe, Staubmasken, Gehörschutz und Schutzbrillen für die Befahrung im Tagebau. Doch warum Geisterstadt? Chuquicamata ist mit einem Tagebau von 5 km Länge, 3 km Breite und 1 km Tiefe die größte Kupfermine der Welt. Für 1 Kg Kupfer fallen 100 Kg Abraum an. Dieser wird rund um den Tagebau verkippt. Auch die kleine Stadt, die eigens von Codelco für seine Mitarbeiter errichtet wurde, steht in der Nähe dieser Abraumhalden. Diese wachsen und wachsen, sodass die Stadt geschlossen wurde. Viele Häuser wurden bereits verschüttet. Viele weitere Gebäude werden noch folgen.


Exkursionstruppe vor dem Explorationsstollen
Größenvergleich mit einem Steinbruchmonster
Nachdem wir mit der Sicherheitskleidung ausgerüstet waren, gab es eine Sicherheitsunterweisung und einige Informationen zum aktuellen Tagebau. Codelco hat 16.000 Mitarbeiter. Davon Arbeiten allein 6000 im und am Tagebau. Im Jahr werden zwischen 80 und 100 mio. t Kupfererz abgebaut. Chuquicamata wurde 1905 eröffnet. Codelco hat seitdem in Chuquicamata bereits 1/3 der Lagerstätte abgebaut und in 6 Jahren wird die Arbeit im Tagebau beendet. Die anderen 2/3 befinden sich in zu großer Tiefe, sodass Codelco seit einem Jahr Explorationsstollen am Grund des Tagebaus in die Erde treibt. Später sollen dann unter Tage 45.000.000 t Kupfererz abgebaut werden. Zurzeit arbeiten an diesem Projekt 120 Mitarbeiter. Später sollen es über 2000 Mitarbeiter werden. In dieses Projekt werden insgesamt 3,8 Milliarden US-Dollar investiert.
Wir stiegen vor dem Tagebau in einen kleineren Bus um. Mit diesem fuhren wir in den Tagebau an den riesigen SLKW´s und Seilbaggern vorbei. Sicherheit wird bei Codelco groß geschrieben. Wer sich nicht anschnallte merkte schnell auf den huckligen Straßen, dass man bei einer Bodenwelle bis zu 30 cm in die Luft flog. Mitten im Tagebau befand sich dann der Eingang in den Tiefbau. Von hier aus sollte es nochmals tief in die Erde gehen. An der tiefsten Stelle befanden wir uns 100 m unter der tiefsten Sohle. Dort gab es noch nicht so viel zu sehen. In einigen Jahren wird hier die Hauptproduktion stattfinden. Hier unten war das Atmen schwer und es war ziemlich warm. Wir gingen in einen Notfallsicherheitsraum. Wie er die Bergleute im Ernstfall schützen würde, wurde uns ausführlich erklärt. Außerdem wurden uns die Pläne für den zukünftigen Tiefbau gezeigt und erklärt. Grob gesagt wird die Lagerstätte in Abbaublöcke von mehreren Tausend Tonnen eingeteilt und per Bohren und Sprengen gelöst. Das Kupfererz wird dann bereits unter Tage gebrochen und mit Förderbändern zu Tage getragen. Anschießend gelangt das Kupfererz dann auf das Lager und dann in die Aufbereitung, die wir am folgenden Tag noch sehen werden. Nachdem wir wieder an der Oberfläche ankamen ging es in die Firmenkantine zum Mittagessen. Es gab eine gute Auswahl. Ich entschied mich für Hühnchen, Reis und Eiscreme als Dessert. Nachdem alle satt waren ging es in die Werkstatt für die SchwerLastKraftWagen. Codelco besitzt an diesem Standort 2 Tagebaue. Allein für den größeren stehen 95 SLKW zur Verfügung. Diese haben eine Zuladung zwischen 330 bis 400 t. 77 Trucks fahren das Kupfererz oder Abraum. Der Rest steht in der Werkstatt oder in Reserve. Alle 250 Stunden wird ein SLKW einer Inspektion unterzogen. Ein SLKW kostet 5 mio Dollar. Sein Tankvolumen beträgt 5000 Liter. Er verbraucht in der Stunde 400 Liter Diesel und einer von 6 Reifen kostet 80.000 Dollar. Dieser ist spätestens nach einer Dienstzeit von 5 bis 6 Monaten abgefahren und muss gewechselt werden. Ein SLKW wird mit einem dieselelektrischen Antrieb angetrieben. Ein Dieselmotor treibt ein Stromaggregat an, welches die 4 Elektromotoren in den Radnaben versorgt. Ein SLKW-Fahrer verdient verdammt gut. So kriegt er 5000 Euro Brutto im Monat. Als wir die Werkstatt besichtigten hatten wir Glück. Ein SLKW hatte ein Motorproblem und wurde von einem anderen SLKW mit einem Schleppseil in die Werkstatt geschleppt. Eine unglaublich große Maschine mit einer Leistung von 3200 PS.
Der Tag neigte sich dem Ende zu. Wir sahen uns noch die SLKW-Steuerstation an. Hier werden die SLKW mit GPS erfasst und können per Funk mit ihren Aufgaben versorgt werden. Anschließend ging es mit dem Bus von Codelco zurück zum Hotel.




Tag 2 bei Codelco

Die Sicherheitssachen haben wir über Nacht behalten und stiegen mit der Ausrüstung wieder in den Bus von Codelco. Heute ging es speziell um die Aufbereitung des Kupfererzes. Das erste Ziel war das Gebäude vor der Aufbereitung. Dort empfing uns der Leiter der Aufbereitung. Natürlich gab es speziell für diesen Bereich auch wieder eine Sicherheitsunterweisung. Nachdem diese endlich rum war gings los  in einen wichtigen Aufbreitungsschritt, die Flotation. Zuvor noch der Abbau. Die SLKW bringen das Kupfererz von der Ladestelle in den Vorbrecher. Dort wird es vorzerkleinert. Danach kommt es in den Bereich wo wir uns befanden. Hier stehen riesige Kugelmühlen. Das Material gelangt in die Mühlen in denen sich auch Stahlkugeln befinden. Diese pulverisieren das Kupfererz. Das Pulver gelangt dann in ein Becken mit Chemikalien. Im Flotationsverfahren wird das Kupfer und andere Bestandteile aus dem Gestein gelöst, sodass es schaumig an der Oberfläche schwimmt. Über eine Kante wird nur das oben aufschwimmende Gemisch abgeschöpft. Anschließend wird das Gemisch entwässert und in großen Konvertern geschmolzen. Danach wird das flüssige Metall bestehend aus Kupfer, Aluminium, Gold u.s.w. in eine umgängliche Form gegossen und abgekühlt. Nachdem die Platten dann erkalkten sind kommen sie in die nächste Aufbereitungshalle. In der Elektrolyse werden die Platten in ein Becken mit einer Lösung und zwei weiteren Platten (Kathode + Anode) eingelagert. Kathode und Anode stehen unter einem Gleichstrom von 10 bis 12 V. Die Kupferatome wandern zur Kathode und die anderen metallischen Atome zur Anode. So wird die Kathode über mehrere Tage mit Kupfer angereichert. Nach einer ausreichenden Anreicherung wird die Kathode aus dem Becken entnommen und das Kupfer von der Kathode geschält. Fertig ist die Kupferplatte, die in dieser Form weiterverkauft wird. All diese Schritte wurden uns gezeigt und wirklich toll erklärt. Zum Schluss unserer Codelco-Befahrung gab es noch ein Zuckerstück. Von der im Tagebau befindlichen Besucherplattform durften wir eine über 150.000 t Sprengung beobachten. Ein gelungener Abschluss. Die Sicherheitskleidung wurde zurück gegeben und der Bus von Codelco brachte uns zum Hotel zurück.
Riesige Mühlen, die das Erz pulverisieren

Mittwoch 8.05.13 Lithium

Heute stand mal wieder neben einer weiten Strecke viel auf dem Programm. Früh morgens wurden die Autos getankt und auf die lange Fahrt nach San Pedro vorbereitet. San Pedro eine Oase in mitten der Atacama-Wüste. Dort besichtigten wir die Stadt, die eine schöne alte Kirche hat. Nach der Besichtigung ging es weiter in Richtung Peine. Auf dem Weg dorthin besuchten wir einen Salar. Einen Salzsee an dem Flamingos leben. Diese fressen dort kleine rosa Krebse von denen sie auch ihre typische Farbe erhalten. Leider passte die Zeit wohl nicht. Wir sahen nur eine Hand voll Flamingos. Zu dem Zeitpunkt war es Mittag und die Sonne brannte uns auf den Buckel. Schnell zurück in die Autos und weiter zur Lithiummiene von Rockwood. Dort wurden wir herzlich empfangen. Hier wurde uns die Herstellung von Lithium erklärt. Lithium brauchen wir z.B. für unsere Akkus. Es ist ein seltener Rohstoff und kommt in kleinen Konzentrationen in manchen Salzlagerstätten vor. In Südamerika sind die größten Lithiumvorkommen der Welt vorhanden. Hier bei Rockwood wird eine natürliche Salzlösung aus der Erde in 16 künstliche Becken gepumpt. Diese sind flächenmäßig riesig, jedoch nur zwei Meter tief. In 16 Monaten wird durch die hohe Sonneneinstahlung das Wasser verdampft und das Salz ausgefällt. Aus dem festen Salz kann das Lithium getrennt werden. Die gelbe Flüssigkeit, die 6 % Lithium enthält, wird per LKW in eine Aufbereitung nach Antofagasta transportiert und dort weiter aufbereitet. Diesen Schritt haben wir somit auch nicht mehr sehen können. Auch das Salz wird verkauft. Bei Rockwood hielten wir uns auch nicht mehr lange auf. Wir hatten natürlich auch einen langen Rückweg zum Hotel. Somit verabschiedeten wir uns schnell und traten die Heimreise an.
Sicht auf ein Becken in der Lithiumpproduktion

9.05.13 Reisetag

Ein Teil der verlassenen Salpeterfabrik
Sachen gepackt und ab ins Auto für 400 km weiter in den warmen Norden. Die Reise nach Iquique, einer Toristenstadt, stand an. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir ein Museum. Es war die alte Salpeter-Miene „Humberstone“. Dort lebten bis vor ca. 50 Jahren die Arbeiter der Miene in einer kleinen Stadt direkt vor der Herstellungsfabrik. Diese Stadt ist heute eine Geisterstadt und erinnert an einen Westernfilm, angrenzend stand die Fabrik. Sie wurde damals sich selbst überlassen und verfiel daher stark. Lockere verrostete Bleche der Fabrikgebäude wankten bedrohlich im Wind. Der Tod aus Final Destination hätte hier ein leichtes Spiel. Wir waren sehr vorsichtig. In Deutschland wäre ein Museum in dieser Form niemals genehmigt worden. Nachts könnte man hier einen tollen Horrorfilm drehen. Da alles auf Spanisch war und wir keinen Englischsprachigen Führer hatten, bekamen wir keine Informationen und die Begeisterung dieses Weltkulturerbes hielt sich daher in Grenzen. Nach einer Stunde Besichtigung führten wir die Reise nach Iquique fort. Abends bezogen wir dann unser Hotel Radisson mit Pool und Meerblick.


Letzter Befahrungstag ins Salz

Wieder ein frühes Frühstück. Um 8 Uhr starteten wir nach SPL einem Tochterunternehmen von dem deutschen Salzhersteller K + S. SPL beschäftigt sich mit dem Abbau von Steinsalz im Tagebau. Der Salzabbau befand sich in den Bergen. Wie bei den Salaren wurde das Salz vor Millionen von Jahen aus den Bergen gewaschen und in einer Art abflussloser Wanne abgelagert. Das Wasser verdampfte und das Salz verdichtete sich zu Steinsalz. Diese Wanne war verdammt groß. Stolz teilte man uns mit, dass man Reserven für bis zu 5000 Jahre weiteren Abbau hätte. Das findet man mit Explorationsbohrungen heraus. Wie wir sehen konnten war ein Bohrtrupp damit beschäftigt, Kernbohrungen bis zu 70 m abzuteufen. Das Salz wird per Bohren und Sprengen in einer Tiefe von bis zu 70 m abgebaut. Einer Sprengung mit einem Haufwerk von 70.000 t durften wir beiwohnen. Dabei wird pro Tonne Material 190 g Sprengstoff verwendet. Anschließend sahen wir uns die Verladeanlagen an. Das Salz in 3 verschiedenen Qualitäten wird mit LKW ins Tal gefahren. Dort befinden sich die Verwaltung und die Verladestation auf Schiffe und andere LKW. Freitags schließt die Verladung früher und daher verpassten wir diese Abteilung. Spontan wurden wir aber mit dem Schlepper auf eine kleine Schiffstour eingeladen. Dabei konnten wir die Schiffsverladeeinheiten aus der Nähe betrachten und sind zu einer Insel gefahren auf der es nur so von Robben, Pelikanen und anderen Vogelarten wimmelte. Wir genossen die Schiffsfahrt. Nach der Schiffsfahrt gab es noch ein Abschlussgespräch mit unserem Führenden im Betrieb und dann verabschiedeten wir uns.


Verschnaufen
Es ist Samstag, der letzte Tag vor der Abreise nach Deutschland. Heute stand uns der Tag zur vollen Verfügung. Da haben wir trotz der Müdigkeit nicht lange geschlafen, um den Tag sinnvoll zu nutzen. Nach dem üppigen Frühstück ging ein Teil der Gruppe an den Strand zum Angeln und Schwimmen. Die Anderen besuchten die Mall in der Innenstadt von Iquique. Entäuschend. Viele von uns wollten ihren Lieben noch etwas Schönes mitbringen. Was wir vorfanden waren Elektroläden, Spielzeugläden, Spirituosenläden und Pafümerien. Kaum einer fand etwas passendes. So verließen wir die Mall und fuhren zur Strandpromenade. Dort konnten wir parken und ein bisschen Zeit am Strand verbringen. Anschließend trafen sich so gut wie alle im Hotel am Pool und kühlten sich ab. Am Abend gingen wir alle schön zusammen essen und sprachen dabei über unsere Eindrücke und Erfahrungen, die wir in den letzten zwei Wochen gesammelt haben. Morgen geht es gegen 14 Uhr von Iquique etwa 2 Stunden nach Santiago de Chile, von dort aus fliegen wir zwischen 12 und 14 Stunden nach Madrid und von dort nochmals 2 ½ Stunden nach Düsseldorf. Es wird also eine lange, anstrengende Reise nach Hause. Ein bisschen bin ich auch froh nach Hause zu kommen.


Hab noch schnell die beiden Sprengungen von Codelco


http://www.youtube.com/watch?v=A4741t8uAw0&feature=youtu.be

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